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1898-1918
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Josef Engling 1898–1918

Der Schüler Josef Engling im Gymnasium in Schönstatt/Vallendar lernt durch Pater Kentenich eine Spiritualität kennen, die sich auch im harten Kriegsalltag bewährt und für unsere heutige Zeit noch genauso aktuell ist.
In der Gründungsphase der weltweiten Schönstatt-Bewegung, ist Josef dabei und wird zu einem Vorbild, was Gott aus einem Menschen machen kann, wenn er sich ganz auf Gott einlässt.

Zuhause geliebt

In seiner Familie in Prossitten im Ermland (Ostpreußen), gab es weder Reichtum noch Armut, als Josef als viertes von sieben Kindern am 5. Januar 1898 geboren wurde. Seine besorgte Mutter brachte ihm soviel Liebe entgegen, dass er sich trotz körperlicher Mängel zu einem starken Jungen mit einem tiefen Gemüt entwickeln konnte. Das religiöse, natürliche Umfeld seiner Heimat hatte ihn tiefgehend für sein ganzes Leben geprägt.
Der allzeit willige und lerneifrige Schüler genoss das besondere Wohlwollen seines Lehrers. Aber der gutherzige Josef konnte sich leidenschaftlich erregen, wenn sein Gerechtigkeitsgefühl verletzt wurde. Mit der Gottesmutter traf Josef seine Berufswahl: Er wollte Priester werden.

Von Gott berufen

Ein unvorstellbar schwerer Anfang
Am 24. September 1912, nach zweitägiger Bahnfahrt kam der 14 jährige Josef in Vallendar an und zieht in das soeben fertiggestellte Studienheim der Pallottiner ein.
Eine unerwartete Einstufung in den ersten Kurs, Buckel und Sprachfehler und überhaupt seine schwerfällige Art machten es ihm sehr schwer, sich in seiner neuen Umgebung zurecht zu finden. Lehrer und Mitschüler fragten sich: „Was wird aus dem wohl noch werden?“

Klassenbeste
Am Ende des ersten Schuljahres 1913 wird er von 39 Schülern nicht nur der Klassenbeste sein, sondern sie wählten ihn trotz seiner körperlichen Mängel auch zu ihrem Klassenpräfekten. Warum sie ihn so anerkannten, wussten sie selbst nicht immer so genau. Aber sie fühlten seine treuherzige Güte und fühlten: er ist immer wahr und echt.

Kriegsverhältnisse
Während des Krieges wird das Studienheim zum Lazarett – 80 bis 90 Schüler ziehen ins Alte Haus – keine Schränke, Strohsäcke auf dem Boden, kaum Heizmaterial, wenig Decken und wenig Schlaf vor lauter Kälte (bis -28 o).

Sein Apostolat
Toiletten putzen, (eine ganz unangenehme Arbeit, ohne Wasserspülung ), Klassensaal heizen, sein Essen teilen, Aufsicht im Studiersaal halten, uneigennützig den Mitschülern die Aufgaben erklären
Josef zeigt, dass seine Wahl zum Präfekten der Marianischen Kongregation nicht schlecht gewesen ist. Er führt die junge Kongregation durch seine Beiträge und viele, viele Gespräche von Mann zu Mann über den Sinn der Mitarbeit in der Marianischen Kongregation trotz drückender Härte des Krieges zu blühendem Leben.

Marienweihe
Am 11. April 1915 verknüpft Josef sein Leben untrennbar mit der Sendung der Gottesmutter von Schönstatt. Dafür sollte sie ihn zu einem zeitgemäßen Heiligen erziehen. An der Seite Pater Kentenichs lernt er alles für die Persönlichkeitsbildung zu nutzen und der Gottesmutter im Kapellchen zum Geschenk zu machen.
„Ich will ein Heiliger werden. … Allen alles werden und Maria ganz zu eigen sein. … Ich will bis ins Kleinste gewissenhaft sein. Das Gewöhnliche außergewöhnlich gut tun. 08.12.1915

Im Leben geprüft

Ausbildung zum Rekruten
Josef wird im November 1916 zum Militär eingezogen. Seine Ausbildung zum Soldaten in Hagenau im Elsass ist Tag für Tag ein schikanierender Kasernendrill mit unausstehlichen Vorgesetzten. Für sie sind die angehenden Soldaten ganz einfach „Taugenichtse“, die vom Leben noch nichts verstehen.
„Man ist beim Militär oft so gleichgültig gegen alles, so gleichgültig und so stumpfsinnig, wie ich früher nie gewesen bin. Dabei scheint es mir, als ob ich immer willensschwächer und opferscheuer würde.“ 13.02.1917

Aufstieg durch Niederlage
Der Krieg mit Russland ist zu Ende gegangen und Josef kommt nach einem halben Jahr an der Ostfront an die Westfront nach Frankreich. Der Umzug dauert vier Wochen; schwerste Marschtage in Eiseskälte und Schnee und trotzdem hält Josef an seinen Idealen und seinen Vorsätzen fest. Dann in dem tagelangen Transport in Viehwaggons. Wie sollten die Soldaten die Langeweile vertreiben? Sie spielen Karten – Runde um Runde. Auch Josef Engling hat es gepackt. Was schwere Marschtage nicht fertiggebracht haben, schaffte seine Spielleidenschaft – sein Gebet fällt aus.
„Warum mach ich so wenig Fortschritte in der letzten Zeit? Wohl, weil ich so wenig bete, trotz der vielen Zeit.“ 21.03.1918

Sein Gebet
Jetzt hat er endlich gefunden, was ihn aus dem Labyrinth herausführen sollte: das Gebet. In der inneren Einsamkeit verlor sich Unrast und melancholische Stimmung. Je unruhiger sich die äußeren Lebensverhältnisse gestalteten, desto mehr brauchte er einen Ort des Friedens im eigenen Innern. Josef folgte immer mehr dieser Herzensneigung.

Mit Maria
Immer mehr wird sein Gebet zum Zwiegespräch mit Maria. Von ihr weiss er sich trotz seiner Schwächen geliebt und angenommen. Das Ringen, alles richtig zu machen, verlagert sich in die tiefere Sehnsucht, ganz ihr zu gehören und von ihr alles zu erwarten. Sie lässt ihn nicht nur Niederlagen überwinden, sondern bindet ihn im Liebesbündnis immer tiefer und inniger an Gott.

Sein Lebensangebot
„Dir will ich ganz und gar gehören. Dein bin ich. Verfüge über mich und das Meinige, ganz wie es dir gefällt. Wenn es sich jedoch mit deinen Plänen vereinigen lässt, lass mich ein Opfer sein für die Aufgaben, die du unserer Kongregation gestellt hast.” 03. Juni 1918
„Vor Gefahren fürchte ich mich nicht. Mir persönlich ist es vollkommen gleich, ob ich in schwere Kämpfe komme oder an eine ruhige Stelle. Selbst den Tod will ich von den Händen der Mutter gern annehmen.“ 10.02.1918

Josef Engling lebt weiter

Seine letzten Stunden
„Wir lagen in einem kleinen Dorf bei Cambrai. Es war bei uns Soldaten eine miese Stimmung. Keiner hatte Lust, etwas zu unternehmen, Josef Engling saß neben mir. Er zeigte auf einen Friedhof, wo man Gräben ausgehoben hatte und sagte:

„Man macht mir dort mein Grab.“

Ich entgegnete: Du bist verrückt, das glaube ich doch nicht. Darauf er:

„Diese Nacht nimmt die Gottesmutter mein Opfer an.“

Dann wurde er gerufen und kam mit Freude im Gesicht zurück und sagte mir:

„Ich muss zum Vorkommando.“

Er wusste, dass ich anderntags in Urlaub fuhr. Er nahm ein Stück Papier, schrieb etwas darauf und gab mir den Zettel mit den Worten:

„Wenn ich gefallen bin, dann teile an diese Adresse (P. Kentenich) meinen Tod mit.“

Dann gab er mir die Hand, schaute mir fest in die Augen und sagte:

„Komm gut nach Hause und erledige bitte meinen Wunsch. Das Mütterlein ist bei mir. Ich bin vorbereitet und habe alles in Ordnung.“

Josef Mehl über den 4. Oktober 1918

Josef Engling, mit dem Vorkommando von ca. 6-8 Mann auf dem Weg nach Cambrai, bog an einer gefährlichen Straßenkreuzung ins offene Feld ein. Da schlug eine Granate anstatt auf die Straße ins offene Gelände und im Aufblitzen der Einschläge sah man an der Spitze der kleinen Truppe eine Gestalt plötzlich zusammenbrechen – Josef Engling. An Kopf und Brust hatten ihm die Granatsplitter schwere Wunden geschlagen. Er war sofort tot, am 4. Oktober 1918, zwischen 18 und 19 Uhr.
© 2016 Josef Engling Sekretariat
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